Weekend-Video: Batkid saves San Francisco (Non-Profit-PR)

Weekend-Video: Batkid saves San Francisco (Non-Profit-PR)

Kann ein kleiner fünfjähriger Junge mit Leukämie eine ganze Stadt mobilisieren? Er kann – und wie! Nebenbei hat er der „Make-a-wish-Foundation“ die wohl größte Medienresonanz beschert, die es bislang gab. Hier das Video von CNN, Einordnungen und Erläuterungen danach:

Viele Massenmedien haben über die Veranstaltung berichtet, auch in Deutschland wie etwa der Spiegel oder n-tv. Einordnungen unter anderem bei W&V. Anbei einige Reaktionen dazu aus der PR-Branche:

  • Schön tief geht die Analyse der Social Media Strategie bei Fastcompany. Ähnlich auch Digiday, die v.a. auf die Seite TheBatKid verweist – ein schön gemachter Comic über die Aktion im Stil der Marvel Comics.
  • Was hat der Spaß die Stadt San Francisco gekostet? Um die 100.000 Dollar, berichtet ABC. Die Medienresonanz sei aber „priceless“. Am 16.11 wurden ungefähr 400.000 tweets mit dem hashtag #SFBatKid veröffentlicht.
  • Gut gefallen hat mir, dass der SF Chronicle eine Sonderausgabe erstellt und verteilt hat.
  • Auch Barack Obama hat es ich nicht nehmen lassen, dem Batkid eine Video-Botschaft zu senden – über Vine. Damit ist Vine hoffähig geworden.
  • Eine differenzierte Betrachtung hier: Es wird unter anderem die Frage gestellt, ob es ethisch vertretbar sei, den ganzen Aufwand für nur einen Jungen zu betreiben und ob man die Ressourcen nicht besser direkt an hilfsbedürftige Kinder weitergegeben hätte. Auch erwähnenswert die Rechtfertigung von Eric Mar, einem Stadtoffiziellen, der erklärt hat, dass die Aktion rund 100.000 $ gekostet hätte.
  • Für genauere Analysen eignen sich gut die Storifies von MSNBC. Politico zeigt, wie sich Politiker beider Lager auf den fahrenden Zug aufschwingen. Sehr umfangreich das Storify von KQED, einem lokalen Sender.

Der Fall ist eine schöne Integration von offline/online-Kampagnen einer Non-Profit-Organisation. Sie hat über soziale Netzwerke lokale Initiativen mobilisiert und ein Gemeinschaftsgefühl in der Stadt geschaffen. Die emotionale Geschichte des kleinen Jungen ist schwer zu toppen – und davon lebt auch die Berichterstattung. Die Nachrichtenwerte wie Nähe, Personalisierung und Konflikt sprechen für sich. Gekoppelt mit einem weltweit bekannten Franchise wie „Batman“, das über Kulturen und Generationen hinweg wirkt, kann man sich der Story nur schwer entziehen. Kollegen mögen das Content-Marketing nennen, ich halte es für eine gut gemachte Geschichte, über die gesprochen wird. Und damit sind wir schon im Kern der traditionellen PR, die mit neuen Instrumenten in vielen Fällen ähnlich funktioniert, wie Edward Bernays dies bereits 1928 festgehalten hat:

Soziale Arbeit braucht PR-Berater. Da die sozialen Dienste naturgemäß von der freiwilligen Unterstützung der Wohlhabenden abhängig sind und nur mit ihrer Hilfe existieren können, müssen sie kontinuierlich Propaganda* [im Sinne von Überzeugungsarbeit, sws] betreiben. Dementsprechend waren die führenden Persönlichkeiten der Wohlfahrtsorganisationen mit die Ersten, die Propaganda im modernen Sinne einsetzten (Bernays, Edward 2011[1928] Propaganda. Freiburg: Orange Press, S. 117).

*Der Propagandabegriff bei Bernays war unpolitisch und steht  dem Begriff der Persuasion näher als dem politischen Propagandabegriff, wie er seit dem Nationalsozialismus verwendet wird.